Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind
Hilfen für Kinder mit Asthma, Ekzem oder Heuschnupfen – (AAK) e.V.

Quellen für Schadstoffe in Wohnung und Haus

3. Weitere Quellen im Alltag

3.1. Rauchen

Rauchen ist eigentlich kein Thema mehr für gesundheitsbewusste Menschen, für Atemwegserkrankte erst recht nicht. Zigarettenrauch ist eine der schlimmsten Schadstoffquellen in der Raumluft und enthält mehr als 2.000 (!) chemische Verbindungen (18). Um nur einige zu nennen: Kohlenmonoxid, Nikotin, Reizstoffe wie Stickstoff, Ammoniak, Acrolein und Formaldehyd, krebserzeugende Stoffe wie Benzo(a)pyren, polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, Nitrosamine und aromatische Amine (18). Arsen, Teer, Blausäure kommen ebenfalls vor (5). Auch sehr kleine Staubpartikel, die besonders tief in die Atemwege gelangen, entstehen beim Rauchen (18). Im Nebenstromrauch (also in dem, was der Passivraucher "abkriegt") sind z.T. krebserzeugende Substanzen stärker konzentriert als im Hauptstromrauch, Formaldehyd sogar in 50-fach stärkerer Konzentration (21).

Nach dem Rauchen von 5–10 Zigaretten in einem 30 m2 großen Raum wurden eine Formaldehyd-Konzentration der Raumluft zwischen 0,18–0,32 ppm gemessen. Zum Vergleich: Der Verein der Deutschen Ingenieure empfiehlt 0,025 ppm bei Langzeitaufenthalt.

Wer sich das Rauchen abgewöhnen will, findet Unterstützung dazu bei den Krankenkassen in Form von schriftlichem Material und inzwischen vielen, meist sehr gut durchdachten Trainingskursen. Hilfestellung bietet auch der Bundesverband der Nichtraucher Initiativen.

www.rauchfrei.de     www.kinderstarkmachen.de  


3.2. Putz- und Reinigungsmittel

Über Putz- und Reinigungsmittel und die gesundheitsschädlichen Wirkungen möglicher Inhaltsstoffe gibt es umfangreiche Berichte in der Literatur. Kein Wunder, wenn man weiß, dass schon 1985 allein für Allzweckreiniger über 1.000 Rahmenrezepturen vorlagen. Wie auch bei anderen Produkten ist es bei Durchsicht der Literatur schwierig, Symptome, die in Zusammenhang mit dem Gebrauch genannt werden, als Allergiesymptome einzuordnen oder andere Wirkmechanismen im Organismus anzunehmen. Deshalb sind zu jedem Typ von Reinigungsmitteln im Folgenden außer den möglichen Inhaltsstoffen einige Beschwerden, die sie auslösen können, genannt. Über die Wirkung von einzelnen Inhaltsstoffen gibt auch Kapitel V Auskunft.

Abflussreiniger enthalten Ätznatron, das Verätzungen hervorrufen kann (3), bei Kontakt mit Wasser entweicht Ammoniak (19).

Allzweckreiniger können Tenside, organische Lösungsmittel, Phosphate, Ammoniak, Glykolether, Alkohol (bei flüssigen Reinigern), Natriumsulfat (bei pulverförmigen Reinigern), Duft- und Farbstoffe, chlorierte Kohlenwasserstoffe und Formaldehyd enthalten. Formaldehyd kann direkt als Konservierungsmittel vorkommen, Bestandteil der Rohprodukte wie Tenside, Emulgatoren und Duftstoffe sein oder durch die Reinigung von Produktions-anlagen in die Mittel gelangen (dies gilt auch für andere Spezialreiniger) (21).

Backofensprays enthalten aggressive Chemikalien wie Ammoniak und Natronlauge (4, 7). Rose (10) fordert ein Verbot dieser Mittel, da Reste in das Backgut eindringen.

Bohnerwachs enthält Lösungsmittel, meist Testbenzin, besonders in flüssigen Wachsen.

Desinfektionsmittel und desinfizierende Reinigungsmittel enthalten Phenole und Tenside. Aus hygienischer Sicht sind sie in Privathaushalten (und an vielen anderen Stellen auch) überflüssig.

Entkalkungsmittel beinhalten Ameisensäure und schädigen beim Einatmen Niere und Knochenmark (4).

Fleckenmittel enthalten chlorierte Kohlenwasserstoffe und Benzine. Sie gelten als besonders schleimhautreizend und gefährlich für das Zentralnervensystem (7, 19).

In Fußbodenreinigern finden sich eventuell Metallsalze, die aus allergologischer Sicht bedenklich sind (19). Auch Weichmacher wie Ester und Glykolether sowie Lösungsmittel, Tenside, Konservierungsmittel wie z.B. Formaldehyd und Duftstoffe kommen darin vor (7).

Geschirrspülmittel für Maschinen beinhalten oft Chlor. Klarspüler enthalten zum Teil Tenside, die sich als Film auf Gläser und Geschirr legen und die man dann "mitisst" (4).

Glasreiniger enthalten ebenfalls Tenside, außerdem evtl. Alkohol, der in großer Konzentration eingeatmet wird (4), organische Lösungsmittel und Ammoniak (3).

Handspülmittel sind allergologisch bedeutsam, weil immer wieder Reaktionen auf deren Gebrauch hin auftreten. Sie enthalten u.a. Enzyme, Duft- und Farbstoffe.

Metallreiniger (für Silber, Kupfer, Messing, Zinn, Edelstahl) enthalten aggressive organische und anorganische Stoffe (4), eventuell auch Lösungsmittel (5) und Säuren, die Hautreizungen und Allergien hervorrufen können (4).

In Möbelpflegemitteln können Lösungsmittel, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Benzin oder Toluol zu finden sein. Auch Lanolin kann darin sein, das Kontaktallergien auslösen kann (7).

Schuh- und Lederpflegemittel sollten von Allergiekranken vor dem Kauf besonders kritisch geprüft werden. Sie enthalten oft Kaliumdichromat, Lanolin und Parabene, die alle als stark wirkende Allergene bekannt sind (19). Kaliumdichromat ist auch für Nickelallergiker evtl. bedenklich, da mit einer Nickelallergie häufig eine Chromatallergie gekoppelt ist. Sprays enthalten zu 95 % Treibgas und Lösungsmittel, oft Testbenzin (7). Sie werden von vielen Autoren angesichts ihrer gesundheitsschädigenden Wirkung und geringen Effektivität als überflüssig bezeichnet.

Teppichschaum und Polstermöbelpflege enthalten Tenside, geringe Mengen Lösungsmittel, Ätzkali (7), außerdem Alkohole u.a. (4). Besonders wenn der Schaum mit Staubsaugern ohne Feinstaubfilter abgesaugt wird oder auch bei Hautkontakt, können Allergien entwickelt werden (4). In der Literatur werden Beispiele genannt, bei denen Hustenreiz und Bindehautreizungen nach der Anwendung von Teppichschaum auftraten, außerdem das sogenannte "Kawasaki-Fieber", das bei Kleinkindern unter fünf Jahren nach Aufenthalt in mit Teppichschaum behandelten Räumen in den USA auftrat: Fieberanfälle, Entzündungen der Augenbindehaut und des Rachens waren die Kennzeichen.

WC-Beckensteine enthalten Dichlorbenzole, welche im Verdacht stehen, krebserregend zu wirken (19).

WC-Reiniger sind starke Säuren, während Sanitärreiniger starke Laugen sind. Sie enthalten außerdem Duftstoffe und scharfe Chemikalien. Diese Mittel führen zu starken Hautschädigungen. Wenn man WC- und Sanitärreiniger gleichzeitig oder kurz hintereinander einsetzt, entsteht Chlorgas, das eine starke Schleimhautreizung hervorruft.

Schmierseife, Handspülmittel, Scheuerpulver, Haushaltessig, Zitronensäure und Spiritus lösen die meisten Schmutz-Probleme im Haushalt.


Zu Einzelfragen (bestimmte Flecken auf verschiedenen Materialien) geben viele "Haushalts-Ratgeber" oder auch die Bücher "Chemie im Büro" (5), "Entgiften" (7) und "Umwelt-Aktionsbuch" (4) Tipps.


3.3. Waschmittel

Da Heimtextilien wie Vorhänge und Gardinen gewaschen werden und dann Duftstoffe oder Formaldehyd an die Raumluft abgeben können, soll auch auf dieses Thema kurz eingegangen werden.

Waschmittel können Tenside, Phosphate, Perborat, optische Aufheller, Enzyme, Duftstoffe und (in flüssigen Mitteln) sogar Konservierungsstoffe wie Formaldehyd und Desinfektionsmittel und weitere Stoffe enthalten. Flüssige Waschmittel waschen nach einem Test der Stiftung Warentest (4) schlechter als pulverförmige. Phosphat wurde wegen der stark umweltschädigenden Wirkung Anfang der 80er Jahre ausführlich diskutiert und ist heute in entsprechend gekennzeichneten Waschmitteln ausgespart.

Für Allergiekranke können vor allem folgende Stoffe problematisch sein bzw. werden:

  • Tenside sind waschaktive Substanzen, also synthetische Seifen, die die Oberflächenspannung des Wassers herabsetzen. Sie ähneln strukturell den Zellbestandteilen der Haut und können, da sie beim Waschen nicht vollständig aus den Kleidungsstücken ausgespült werden, allergische Reaktionen oder Hautreizungen begünstigen (3). Außerdem bewirken sie, dass Kontaktallergene besser in die Haut eindringen (7).
  • Weichspüler sind Tenside, die in Waschmitteln oder als Einzelprodukt verwendet werden, um Textilien die Wäschestarre zu nehmen. Seit ihrer Einführung hat das Auftreten von Ekzemen zugenommen (19).
  • Enzyme zersetzen Eiweiß und Stärke und werden somit zum Lösen hartnäckiger Flecken verwendet. Sie können zu allergischen Reaktionen führen (19).
  • Duftstoffe verursachen weitaus die meisten Unverträglichkeitsreaktionen gegenüber Wasch- und Reinigungsmitteln. Besonders gefährdet sind vor allem Menschen die auf Perubalsam allergisch reagieren (7).
  • Optische Aufheller, die die Wäsche "weißer als weiß" erscheinen lassen, stehen ebenfalls im Verdacht, Allergien zu erzeugen; experimentell nachgewiesen wurde, dass sie die Wundheilung der Haut verzögern (7).
  • Konservierungsstoffe wie Formaldehyd werden flüssigen Wasch- und Spülmitteln zugesetzt. Sie sind für ihre allergieauslösende Wirkung bekannt.

Allergiekranke sollten diese Aspekte bei der Wahl von Waschmitteln berücksichtigen und die Angaben auf den Waschmittelpackungen sorgfältig lesen. Empfehlenswert, auch aus ökologischer Sicht, sind sog. Baukastenwaschmittel. Es sollten möglichst Produkte auf Seifenbasis mit Zeolit als Phosphatersatz verwendet werden. Achtung: Auch "Bio"-Produkte können bedenkliche Zusätze enthalten.

Außerdem ist es sinnvoll, das Mittel nach der Wasserhärte am Wohnort zu dosieren, dabei erzielt eine leichte Unterdosierung in bezug auf die Sauberkeit den gleichen Effekt (7). Auskunft über die Wasserhärte gibt das zuständige Wasserwerk.


3.4. Kontaktchemikalien und Kleber

Kleber, die man im Haushalt- und Hobbybereich verwendet, enthalten Lösungsmittel und Weichmacher, wässrige Klebstoffe, Konservierungsmittel. Auch Formaldehyd kann Bestandteil sein. Besonders die Lösungsmittel können speziell bei Allergiekranken und Atemwegserkrankten Beschwerden hervorrufen: Ethylacetat, Aceton, Testbenzin wirken schleimhautreizend, Methylethylketon (in Kontaktklebstoffen) wird als augenreizend beschrieben (6).

Ebenfalls gesundheitsschädigend können die (deklarationspflichtigen!) Inhaltsstoffe Cyanacrylat (schleimhautreizend) und Isocyanate (sensibilisierend, toxisch-allergische Reaktionen bei 5 % der Kontakte) wirken (19).

Empfohlen werden Papierkleber mit Wasser als Lösungsmittel, die es flüssig, als Paste oder als Klebestift gibt (5), angerührte Methylzellulose (= Kleister) (4) und im Baubereich wasserlöslicher Dispersionskleber, dem allerdings wiederum Konservierungsstoffe wie Formaldehyd oder auch Fungizide und Weichmacher zugemischt sein können (7). Rose (10) rät, Fußbodenkleber nur zu kaufen, wenn eine Deklaration der Inhaltsstoffe vorliegt. Allgemein empfiehlt sich immer dann, wenn Kleber sehr großflächig verstrichen wird, und dann, wenn Spezialkleber von Hobbywerkern verwendet werden, besonders sorgfältig Vorinformationen einzuholen. Auch nicht zu vergessen: Ausreichend lüften!

Vor- und Nachteile von Klebern werden ausführlich in den Büchern "Chemie im Büro" (5) und "Chemie im Kinderzimmer" (6) dargestellt.


3.5. Büro- und Schreibmaterialien

Büromaterial und Schreibwerkzeug hat es ebenfalls teilweise "in sich". Korrekturflüssigkeiten enthalten als Lösungsmittel Trichlorethan, Verdünner bestehen ganz aus Lösungsmitteln. Formaldehyd kann in Filzstiften (vor allem solche, die auch auf Folien schreiben; auf den Geruch achten!), Tintenkillern, Füllhalter-Schreibflüssigkeit und Tintenkugelschreibern enthalten sein (5, 13, 19). Kugelschreiber können auch andere Lösungsmittel wie z.B. Benzylalkohol enthalten (5).

Schwermetallpigmente (Blei, Chrom, Cadmium) können sich in Wachsmalstiften, Plastikhüllen von Kugelschreibern (5), Lacküberzügen von Bleistiften und sogar z.T. in Fingerfarben finden (6).

Empfehlenswert sind deshalb Korrekturflüssigkeiten auf Wasserbasis, Filzstifte mit Konservierungsstoffen, die lebensmittelrechtlich zugelassen sind, und unlackierte Bleistifte. Ersatz für breite Filzstifte kann Försterkreide sein (5).

Genaueres über verschiedene von Kindern benutzte Stifte finden Sie in "Chemie im Kinderzimmer" (6) und "Gift im Kinderzimmer" (3).


3.6. Insektenvernichtungsmittel

Insektenvernichtungsmittel gehören zu den bioziden, also lebentötenden Stoffen, zu denen man auch die Fungizide (pilztötende Mittel) zählt. Sie können Lindan (in USA verboten), Pentachlorphenol (in der BRD verboten), Dichlorvos (ein Phosphorsäureester), Paradichlorbenzol, Pyrethroide, Naphtalin, Dichlorbenzol u.a. enthalten. Dichlorvos gefährdet vor allem Asthmatiker (10), die anderen genannten Stoffe sind krebserregend und/oder giftig.

Sprays geben bei der Anwendung kurzfristig hohe Konzentrationen der Stoffe an die Umwelt ab, bei Insektenstrips (die keinesfalls in Kinder- oder Schlafzimmern verwendet werden sollen (18)) und Elektroverdampfern handelt es sich um längeranhaltende, niedrigere Konzentrationen, meist von Pyrethroiden.

Praktische Tipps zur für Menschen unschädlichen Insektenbekämpfung gibt es viele: Zeitungspapier (4) oder getrocknete Orangenschalen in Schränken und schwarzer Pfeffer unter Teppichen (10) gegen Motten, Fliegenklatschen und Tomatenpflanzen am Fenster gegen Fliegen (4), Zuckerwasser zur Bekämpfung von Ameisen (4) usw. In schwierigen Fällen weiß der Kammerjäger Gift eventuell begrenzter einzusetzen als dies mit den für jeden käuflichen Mitteln möglich ist (4). Der Kammerjäger sollte dem Schädlingsbekämpfungsverband angehören. Trotzdem sollte man sich vorher gründlich informieren.