Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind
Hilfen für Kinder mit Asthma, Ekzem oder Heuschnupfen – (AAK) e.V.

Quellen für Schadstoffe in Wohnung und Haus

2. Möbel und Einrichtung

2.1. Holz, Holzmöbel

Holzschutzmittel können PCP (Pentachlorphenol), Lindan, TBTO, Spuren von giftigen Dioxinen und Furanen und eine ganze Reihe anderer Stoffe enthalten. Sie sind nicht nur im Holz, sondern auch in vielen anderen Zellstoffprodukten zu finden, z.B. in Karton und Papier (13). Holzschutzmittel werden oft schon direkt nach dem Schlagen der Bäume angewandt, deshalb kann selbst als unbehandelt geltendes Holz geringe Mengen z.B. an Lindan enthalten (18).

PCP und Erzeugnisse, die mehr als 5 mg PCP/kg enthalten, sind in der Bundesrepublik seit 1989 verboten. Im Ausland ist die Verwendung von PCP allerdings erlaubt und kann daher durch Import belasteter Artikel zu uns gelangen.

Untersuchungen und Ergebnisse über schädliche Wirkungen liegen bisher zu PCP und Lindan vor – über die übrigen Stoffe ist wenig bekannt (18). Man weiß aber, dass Holzschutzmittel Allergien, Erkrankungen des Nervensystems, Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen hervorrufen können (4). Prof. Huber von der Reha-Klinik in Heidelberg (23) fand schon bei Konzentrationen ab 10 mg PCP/Liter Blut Immundefekte. PCP wirkt am stärksten über die Atmung, Lindan dagegen über die Haut (13). Die Inhaltsstoffe von Holzschutzmitteln gasen über lange Zeit aus, gehen in Textilien, Lebensmittel, Bücher u.ä. über und reichern sich im Hausstaub an. Sie können so eine Belastungsquelle für Jahrzehnte darstellen.

Die Schwere und das Ausmaß der durch Holzschutzmittel hervorgerufenen Schädigungen mag man daran abmessen, dass es schon lange eine "Interessengemeinschaft der Holzschutzmittel Geschädigten" gibt.

Die Empfehlungen in der Literatur gehen dahin, Holzschutzmittel ganz wegzulassen. Vor allem in Innenräumen sind sie bei den hier herrschenden klimatischen Verhältnissen völlig überflüssig. Oberflächenbehandlung mit Naturharzöllasur, Leinöl oder Bienenwachs werden vorgeschlagen. Auch sollte Holz verwendet werden, das im Winter geschlagen wurde (10). Bei besonderen Problemen kann man Borax oder Holzessig gegen Pilzbefall, Heißluft oder – bei Möbelstücken – "Ausfrieren" (einige Nächte bei minus 10 Grad Celsius nach draußen stellen) gegen Insektenbefall anwenden (10). Spezielle Hinweise zum Holzschutz gibt die entsprechende Broschüre der Arbeitsgemeinschaft Wohnberatung.

Vorsichtshalber sollte man sich bei Möbelstücken oder Holzdielen/-brettern schriftlich bestätigen lassen, dass sie keine Holzschutzmittel bzw. kein PCP enthalten.

Hat man den Verdacht, dass sich Holzschutzmittel in der Wohnung schädigend auf die Bewohner auswirken, gibt es Labors, die mit Hilfe von Blut-, Staub- oder Holzproben Tests durchführen. Eine Sanierung ist nur wirksam durch das Entfernen der belasteten Stücke zu erreichen (Achtung: muss evtl. zum Sondermüll). Die Sanierung Holzschutzmittel- bzw. Formaldehydbelasteter Räume, die bei den Bewohnern nachweislich zu Erkrankungen geführt haben, sind steuerlich absetzbar.

Bei Mietwohnungen ist der Vermieter verpflichtet, für neuen, ungefährlichen Ersatz zu sorgen (26) (siehe hierzu auch Kapitel VI 1). Regelmäßiges Lüften und feuchtes Abwischen des Staubes reduzieren die Belastung lediglich vorübergehend (18). Von Überstreichen mit Lacken wird abgeraten, da mechanische Belastungen und Feuchtigkeit bzw. Sonneneinstrahlung zu Veränderungen der Lackoberflächen führen können. Evtl. kann ein Abhobeln der belasteten Oberfläche, z.B. bei Balken, helfen. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass genügend tief abgetragen wird. Konkrete weitere Hinweise findet man in dem Buch "Entgiften" (7).

Das zweite, vor allem in Zusammenhang mit Möbelstücken wichtige Thema ist Formaldehyd. Auch hier hat sich aufgrund der Schwere der möglichen Symptome, die dadurch ausgelöst werden, eine "Selbsthilfegruppe Formaldehydgeschädigte" gebildet.

80 % der vermarkteten Möbel bestehen aus Spanplatten (6). Nach der Gefahrstoffverordnung von 1989 sind für die Verwendung in Innenräumen, also auch für die Herstellung von Möbeln, nur die Spanplatten mit dem geringsten Formaldehydgehalt, die sog. E1-Platten, zugelassen. Diese Vorgabe gilt aber nicht für im Ausland produzierte und in die BRD importierte Möbel.

Die Kunststoff-Oberflächenbeschichtungen von Möbeln verringern unter Umständen die Abgabe von Formaldehyd. Allerdings kann die Behandlung der furnierten Oberflächen, z.B. mit verschiedenen Lacken, auch wieder zu einer Belastung mit Formaldehyd oder anderen schädlichen Stoffen führen (24).

Empfehlungen gehen dahin, sich für Möbel aus massivem Holz mit baubiologischer Oberflächenbehandlung, beispielsweise mit Naturharzen und Wachsen behandelt, zu verwenden. Eventuell kann man die Holzmöbel auch unbehandelt kaufen und die Oberflächenbehandlung selbst vornehmen (4, 10).

Entschließt man sich dennoch zum Kauf von Möbeln aus Spanplatten, sollte man sich schriftlich vom Händler bestätigen lassen, dass der vom Bundesgesundheitsamt vorgeschriebene Richtwert durch die Ausgasung der Möbel nicht überschritten wird (6). Offene Kanten sollten mit Umleimer und Silikonspritzung (9), Bohrlöcher mit Gummistöpseln (4) abgedichtet werden.

Schlafzimmer, Kinderzimmer und Küche sollten besonders sorgfältig eingerichtet werden. Im Verhältnis zum Raumvolumen enthalten diese Zimmer nämlich oft relativ viele Möbel. So kann es schnell zu einer Überschreitung des ohnehin hochangesetzten Richtwertes für die tolerierbare Formaldehyd-konzentation in der Raumluft kommen (6). In Schlaf- und Kinderzimmer hält man sich besonders lange auf. Darüberhinaus ist der Organismus während des Schlafes besonders aufnahmebereit (21).

Bezüglich Holzfußböden gibt die Broschüre "Fußböden" (1) der Arbeitsgemeinschaft Wohnberatung konkrete Hinweise.


2.2. Gegenstände und Fußbodenbeläge aus Kunststoff

Die vier am meisten verwendeten Kunststoffe sind Polyvinylchlorid (PVC, siehe unten "VC"), Polystyrol, Polyurethan und die Polyolefine Polyethylen und Polyprophylen (10). Viele Gegenstände in unserer unmittelbaren Umgebung sind aus Kunststoff gefertigt: Fußbodenbeläge, Teppichböden (Rückseite), Innenauskleidung von Autos, Haushaltsgeräte, Möbel, Telefone usw.

An und für sich bestehen Kunststoffe aus relativ großen Molekülstrukturen, die als solche nicht oder nur geringfügig allergieauslösend sind (19). Rose (10) weist aber darauf hin, dass bei der Bildung der Makro- (Groß)moleküle ein Teil der monomeren (einzelne Moleküle) Ausgangsstoffe erhalten bleibt, die über Atemluft oder Hautkontakt in den Organismus gelangen können.

Mögliche Inhaltsstoffe von Kunststoffen sind:

  • Weichmacher (z.B. Phtalate),
  • Vinylchlorid in PVC,
  • Polychlorierte Biphenyle (PCB),
  • Benzol,
  • Schwermetalle (z.B. Cadmium),
  • Styrol,
  • Isocyanate (z.B. in Schaumstoff),
  • Butadien,
  • Asbest (in älteren Kunststoffböden oder als Verstärkung in Teppichbodenrücken).

 

 

Nachfolgend sind nur einige der in der Literatur genannten möglichen gesundheitsschädlichen Wirkungen aufgeführt:

  • Phtalate können Allergien hervorrufen, auch Kontaktallergien, schädigen die Leibesfrucht, wirken auf Leber, Niere, Nervensystem (6) und stehen in Verdacht, Krebs zu erregen.
  • PCB ist krebsverdächtig, schädigt die Leibesfrucht, ist ein Lebergift, greift Nieren und Bauchspeicheldrüse (10) an, führt zu Immundefekten, Chlorakne, Ödeme der Augenlider.
  • Isocyanate können ein allergisches Asthma begünstigen.
  • Asbest lieferte aufgrund seiner krebserregenden Wirkung in den letzten Jahren immer wieder Schlagzeilen in der Presse. Als gefährlich werden Fasern mit einem Durchmesser <3 mm, einer Länge >5 mm und einem Durchmesser-Längenverhältnis von 1:3 angesehen.

Was kann man nun tun, um die Belastung durch Kunststoffe möglichst gering zu halten? 

Sicher wird man ihnen nicht ganz aus dem Wege gehen können. Bei größeren Anschaffungen wie Fußbodenbelägen empfiehlt es sich, die Technischen Merkblätter beim Händler zu verlangen (9). Hinweise gibt auch die Broschüre "Fußböden" der Arbeitsgemeinschaft Wohnberatung e.V.. Rose (10) schlägt eine Deklarationspflicht für krebserzeugende Stoffe vor, eine Forderung, die sicherlich noch breiter in der Öffentlichkeit vertreten werden sollte. Bezüglich der Innenraumluft neuer Autos kann man die Emission von Schadstoffen durch Wärmeeinwirkung beschleunigen. Auch eine Überlegung wert ist die Tatsache, dass "alte" Gebrauchsgegenstände manchmal einfach gesünder sind.


2.3. Teppichböden

Da diese Broschüre für Familien mit allergiekranken Kindern gedacht ist, braucht zum Thema Teppichboden nicht viel gesagt zu werden. Angesichts der enormen Nachteile, die Teppichböden gegenüber glatten Böden haben, z.B. durch Hausstaubmilbenbefall, sollte ihre Verlegung erst gar nicht diskutiert werden. Auch wenn bei einem Allergiekranken nicht speziell eine Allergie gegen Hausstaub bzw. Hausstaubmilben besteht, so hat er doch ein hohes Risiko, eine solche zu entwickeln, denn die Wahrscheinlichkeit dafür steigt proportional zur Menge des Allergens, dem er ausgesetzt ist.

Teppichböden mit Rückenbeschichtungen oder Teppichböden, die mit Kleber befestigt sind, enthalten insgesamt einen "Chemiecocktail", der sich aus bioziden, d.h. gegen Bakterien und Pilzen gerichteten Wirkstoffen (z.B. PCP oder Lindan), Bindemitteln (z.B. Formaldehyd), Weichmachern und Lösungsmitteln zusammensetzt.

Diese Schadstoffbelastung sollte man sich auch als Nicht-Allergiker ersparen (6, 9). Bedenken Sie, dass Kleinkinder zum Teppichboden noch in viel intensiverem Kontakt als Erwachsene stehen!

Falls man auf Teppichböden nicht verzichten will, empfiehlt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (21), die Nase offenzuhalten und eventuell vor dem Kauf ein Stückchen des Materials mitzunehmen, über Nacht in einem verschlossenen Schraubglas aufzubewahren und morgens den Geruch zu testen. Typischer noch als das Geruchsbild ist die Reizwirkung von Formaldehyd auf die Schleimhäute der Augen und des Nasen-Rachen-Raumes (24).


2.4. Heimtextilien

Ebenso wie Teppichböden sind Gardinen, Polstermöbel usw. Staubfänger und teilweise auch Lebensraum für Hausstaubmilben. Allergiekranke sollten ihre Wohnungseinrichtung also von vorneherein bewusst planen.

Textilien enthalten zudem Farbstoffe und Bleichmittel, in vielen Fällen auch Formaldehyd (6). Formaldehydfrei sind (paradoxerweise!) rein synthetische Stoffe wie Polyamid, Polyacryl und Polyester. Synthetische Stoffe haben dafür den Nachteil, sich statisch aufzuladen, also Staub anzuziehen, so dass es bei Berührung zu Staubaufwirbelung kommt. Naturstoffe, vor allem Baumwolle, sind oft chemisch behandelt, um Pflegevorteile wie Knitter- und Bügelfreiheit, Einlaufsicherheit zu erzielen.

Was kann man praktisch tun?

Speziell zu Formaldehyd hier einige Tips: Formaldehydrückstände in Textilien können durch mehrfaches (!) Waschen zum großen Teil entfernt werden (24). Es ist besonders zu beachten, dass nach einmaligem Waschen die Abgabe von Formaldehyd besonders hoch ist. Daher empfiehlt es sich, die Kleidungsstücke vor Gebrauch mehrere Male zu waschen (4, 6). Weitere Möglichkeiten sind, Kleidung im Second-hand-Laden zu kaufen oder die Formaldehyd-Konzentration durch die Bügelhitze zu vermindern.


2.5. Offenes Feuer (Gasherd, Ofen, Kamin)

Jede offene Feuerstelle stellt auf Grund unvollständiger Verbrennungsprozesse eine Quelle für Formaldehyd dar. Bei unzureichender Lüftung kommt es dann zu einer hohen Raumluftbelastung (21). Bei holzbeheizten Öfen und Kaminen fand man während der Heizperiode in den Wohnungen mehr Kohlenmonoxid und Benzo(a)pyren als außerhalb der Heizperiode (18).

Von Gasherden muss in Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen ganz abgeraten werden. Sie werden gewöhnlich ohne Abzug installiert, so dass sich Schadstoffe in der ganzen Wohnung ausbreiten können.

Hauptsächlich sind dies Stickstoffmonoxid, Stickstoffdioxid und Kohlenmonoxid (CO), die letzteren beiden in besonders hoher Konzentration, vor allem bei CO werden mitunter sogar MAK (maximale Arbeitsplatzkonzentrations)-Werte überschritten (18).

Zur Verringerung der Schadstoffkonzentration durch offene Feuerstellen ist für eine gute Entlüftung zu sorgen. Sind Gasherde installiert, sollten beim Kochen und Backen die Küchenfenster geöffnet und die Türen zum übrigen Wohnbereich geschlossen sein.