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Schulkinder und Kindergarten

(Schul-)Kinder und Kindergarten

Inhaltsverzeichnis


Hinweise für Kindergarten und Schule über Asthma, Ekzem, Heuschnupfen

Einleitung

Sie sind Lehrer/in oder Erzieher/in. In Ihrer Klasse oder Gruppe befindet sich ein Kind, das an einer allergischen Erkrankung leidet. Vielleicht haben Sie sich selbst bemüht, zum Verständnis dieses Kindes und zum richtigen Umgang mit ihm weitere Informationen zu bekommen. Vielleicht haben Ihnen auch die Eltern diesen Ratgeber in der Hoffnung gegeben, dass die Informationen dieses Artikels Grundlage für weitere Gespräche werden können. Wie auch immer. Hier haben Sie die Möglichkeit: 

  • sich über die drei wichtigsten allergischen Erkrankungen Heuschnupfen, Ekzem/Neurodermitis und Bronchialasthma zu informieren,
  • Verständnis für Verhaltensweisen von Kindern und Eltern zu entwickeln, die im Rahmen der Familie mit einer allergischen Krankheit leben müssen,
  • medizinische Grundlagen der jeweiligen Erkrankung zu erhalten, um sie in Ihrer pädagogischen Arbeit zu berücksichtigen,
  • sich über die wichtigsten pädagogischen Maßnahmen und Einflussmöglichkeiten bei allergischen Krankheiten zu informieren,
  • Hinweise auf weitere Informationsquellen zu bekommen.

Insgesamt gilt:

  • Eine allergische Erkrankung erfasst meist den ganzen Menschen. Sie beeinflusst seine Verhaltensmöglichkeiten, seine Reaktionsweisen gegenüber anderen Menschen und – besonders wichtig bei Kindern – seine Möglichkeiten zum kognitiven, emotionalen und sozialen Lernen. Damit haben Sie als Pädagogin oder Pädagoge eine besondere Verantwortung im Umgang mit allergiekranken Kindern.
  • Ihr Verhalten kann wesentlich mitentscheiden über den späteren Lebenserfolg oder -misserfolg eines Kindes. Dabei können Sie Ihren Erziehungsauftrag nur in enger Zusammenarbeit mit dem Elternhaus erfüllen. Ihr Engagement in diesem Bereich lohnt sich vor allem deshalb, weil ein sinnvoller und überlegter Umgang mit allergiekranken Kindern oft sehr schnell und spürbar deutliche pädagogische Erfolge erkennen lässt – eine Erfahrung, die alle Pädagogen/innen heutzutage sehr nötig haben.

Entstehungsprozess einer Allergie

Der Körper eines allergischen Menschen reagiert auf eigentlich normale Umweltbedingungen so, als würde ihm Schaden zugefügt. Durch die überempfindliche, überschießende Reaktion wird der eigentliche Schaden jedoch erst erzeugt.

Die Allergie ist eine eigenständige Krankheitsform. Die Neigung, allergisch zu reagieren, wird überwiegend vererbt. Man spricht deshalb von einer allergischen Disposition. Sie kann aber auch – vor allem unter ungünstigen Umwelteinflüssen – erworben werden.

Allergische Erkrankungen

Die häufigsten allergischen Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen sind

  • Heuschnupfen,
  • Ekzem/Neurodermitis,
  • und Asthma.

Sie werden im Folgenden als Einzelkrankheiten beschrieben, treten aber in der Praxis oft nebeneinander oder nacheinander beim selben Kind auf.

Bei Neurodermitis und Asthma gibt es, über die Allergie hinaus, auch noch andere Ursachen, die in den jeweiligen Krankheitsverlauf hineinwirken und eine Rolle spielen können.

Allergie-Symptome und betroffene Organe

  • Auge: Bindehautentzündung, Schwellung des Lids
  • Atemwege: Saisonaler Schnupfen (Heuschnupfen), Dauerschnupfen, Schwellungen in Kehlkopf und Hals, Asthmatische Beschwerden, Entzündungen der Lungenbläschen
  • Haut: Nesselausschlag, Angio-Ödem, Ekzeme, Neurodermitis
  • Magen-Darm-Trakt: Entzündung der Magenschleimhaut, Symptome wie Übelkeit, Durchfall
  • Blutgefäßsystem: Blutgefäßentzündung, Kreislaufzusammenbruch (Schock)
  • Blut: Zerstörung der roten Blutkörperchen, Verminderung der weißen Blutkörperchen oder der Blutplättchen
  • Zentralnervensystem: Fieber
  • Gelenke: Gelenkschmerzen
  • Nieren: Nierenentzündung

Heuschnupfen

Jede/r von Ihnen weiß, wie es ist, wenn man schwer erkältet ist: Die Nase läuft und juckt, sie entzündet sich vom vielen Putzen. Die Augen tränen und brennen. Der Hals brennt, kratzt und juckt. Ständige Niesanfälle zermürben. Man fühlt sich abgeschlagen, matt, lustlos und krank. Manche von Ihnen können während einer Erkältung nicht mehr arbeiten, weil ja im pädagogischen Bereich gerade die Atemwege besonders belastet werden. Andere schleppen sich auch mit einer Erkältung noch in die Schule/den Kindergarten, weil sie hoffen, dass die schlimmsten Erkältungsbeschwerden nach ein paar Tagen wieder verschwunden sind. Wenn Sie sich das vor Augen halten, dann können Sie sich sicher ein wenig in jemanden hineindenken, der solche Beschwerden über längere Zeit ständig hat, nur unterbrochen von kurzen beschwerdefreien Zeiten und ohne allzuviel Hoffnung auf ein Verfliegen der Symptome nach ein paar Tagen: Genau das ist nämlich die Krankheitssituation von jemandem, der unter Heuschnupfen leidet.

Heuschnupfen ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter.

Als Reaktion zum Beispiel auf Pollen verschiedener Pflanzen (siehe dazu auch Pollenflugvorhersage) kommt es zu unterschiedlich heftigen Symptomen, die den Erkältungserscheinungen sehr ähneln, aber in keiner Weise ansteckend sind. An sonnigen und trockenen Tagen wird Heuschnupfen oft schlimmer. Ist es regnerisch und kalt, gibt es wenig Pollenflug. Wer aber schon längere Zeit an den Heuschnupfensymptomen leidet, wird auch an solchen Tagen nicht mehr völlig beschwerdefrei.

Eine wirklich wirksame Behandlung ist meist nur vorbeugend möglich. Wenn die Beschwerden einmal aufgetreten sind, dann können sie oft nur gelindert werden. Medikamente, die eine Symptomfreiheit von Heuschnupfen erzeugen können, müssen absolut konsequent und regelmäßig eingenommen werden. Manche von ihnen erzeugen allerdings als dauerhafte Nebenwirkung Müdigkeit und Abgespanntheit. Es gibt aber durchaus Heuschnupfenpatienten, bei denen es auch bei vollkommen richtiger und konsequenter Medikamenteneinnahme nicht zur völligen Beschwerdefreiheit kommt.

Heuschnupfen wird oft als Leiden nicht recht ernst genommen. Er ist aber nicht nur deshalb schlimm, weil sich nach mehreren Heuschnupfenjahren bei 30-40 % aller Patienten im Kindes- und Jugendalter als Folgekrankheit Bronchialasthma entwickelt. Er ist – und das können Sie jetzt sicher verstehen – ein Leiden, das das betroffene Kind im Allgemeinbefinden sehr quälen und beeinträchtigen kann. Die pädagogischen Folgerungen, die sich daraus ergeben, ähneln denen, die man beim Umgang mit asthmakranken Kindern empfehlen kann. Lesen Sie mehr darüber weiter unten.

Ekzem/Neurodermitis

Unangenehme Hauterscheinungen sind nicht selten. Jede/r weiß, dass Juckreiz und Kribbeln der Haut vor allem dann unerträglich werden, wenn man darauf nicht mit Kratzen reagieren kann. Besonders werden diejenigen das nachfühlen können, die einmal nach einem Knochenbruch längere Zeit eingegipste Körperteile hatten, wo sich normalerweise unter Einwirkung von Schweiß und Sekret juckende Stellen entwickeln, an die man nicht herankommt. Solches Jucken nervt, zermürbt, raubt Schlaf und Konzentration. Wenn juckende Stellen (z.B. bei Mückenstichen) zugänglich sind, bedarf es schon unmenschlicher Beherrschung, sich dort nicht zu kratzen.

Halten Sie sich das vor Augen – und Sie verstehen ansatzweise die Gefühle und das Leiden eines Kindes/Jugendlichen mit Neurodermitis. Die Zeichnung zeigt, wie verschiedene Einflüsse teufelskreisartig auf die Entwicklung der Neurodermitis einwirken: Neben allergischen Auslösern sind das auch Reizstoffe allgemeiner Art, kleinere Entzündungen und Verletzungen, wie sie jeder mal hat, Schweiß, Klimaeinflüsse und Infekte, aber auch seelische Ungleichgewichte.

Zu den Belastungen durch die ständig quälenden Hauterscheinungen – nicht nur Jucken, sondern in schweren Fällen auch heftige, teilweise blutende und schmerzende Entzündungen – kommen soziale Belastungen: Die Hauterscheinungen der Neurodermitis wirken auf andere oft abstoßend. In der unberechtigten Angst, sich anstecken zu können, werden Neurodermitispatienten von anderen Menschen manchmal wie Aussätzige behandelt, sogar nicht selten gemieden. Zwei Pauschalurteile wirken besonders schlimm:

  • Sie tritt in bestimmten Familienkonstellationen auf und würde bei einer „Klärung des zugrundeliegenden Problems“ von selbst verschwinden.

Beide sind falsch. Es gibt nämlich überhaupt keinen Zweifel daran, dass die Grundlage für Neurodermitis in einer ererbten oder erworbenen Allergieneigung liegt. Neurodermitis ist also eine körperliche Erkrankung, die allerdings – wie die meisten chronischen Krankheiten – den Menschen in seiner Ganzheit erfasst. Bei Neurodermitikern verschlechtert sich das Hautbild erfahrungsgemäß immer dann, wenn psychosoziale Stressfaktoren auf ihn einwirken. Das brauchen keine schweren Konflikte oder Erziehungsfehler zu sein – es genügen manchmal auslösende Momente, die ein gesundes Kind ohne jede Schwierigkeit wegstecken kann.

Sie können Beschwerden eines neurodermitisch veranlagten Kindes lindern helfen, indem Sie auf seine seelische und psychische Ausgeglichenheit achten. Dies kann oft nur langfristig in enger Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus erreicht werden.

Die wesentlichen pädagogischen Folgen, die sich daraus ergeben, bestehen auf der einen Seite im konsequenten und dauerhaften Vermeiden von allergischen Einflüssen, soweit sie bekannt sind und im schulischen Rahmen eine Rolle spielen, auf der anderen Seite in einer Berücksichtigung der wechselnden Leistungsfähigkeit des neurodermitiskranken Kindes, abhängig vom Grad seiner Beschwerden.

Darüber lesen Sie weiter unten mehr.

Asthma bronchiale

In die körperlichen Erscheinungsformen von Heuschnupfen und von Neurodermitis kann sich auch ein gesunder Mensch mit etwas Phantasie wenigstens einigermassen einfühlen, wenn er an vergleichbare Erscheinungen bei anderen Erkrankungen denkt.

Dieses Einfühlen ist beim Asthma schwer möglich. Es gibt kaum eine andere Erkrankung, die ein vergleichbares oder nur ähnliches Erstickungsgefühl hervorrufen kann. Weder der Zustand nach einem schweren Hustenanfall noch der Zustand des schweren Atmens nach großer körperlicher Anstrengung lassen einen Vergleich zu: In beiden Fällen kommt man schnell wieder zu normalem Atmen, und man weiß das auch. Asthma vermittelt im Anfall jedoch mit jedem Atemzug das hoffnungslose Empfinden, in einem Zustand von Luftnot zu sein, aus dem man nicht mehr herauskommt.

Zwei Experimente vermitteln in etwa ein Gefühl für Erstickung:

  1. Machen Sie einen großen Waschlappen nass und legen Sie ihn doppelt vor Nase und Mund. Schließen Sie mit den Händen alle Lücken, durch die Luft ungehindert eindringen könnte, und atmen Sie dann einige Zeit durch den Waschlappen.
  2. Versuchen Sie einige Zeit nur durch einen Strohhalm einzuatmen. Sie werden bald merken, dass dies sehr anstrengend und schwierig ist.

Bei einem Asthmaanfall passieren drei Dinge entweder gleichzeitig, getrennt voneinander, nacheinander oder einzeln:

  • Die Schleimhaut der Bronchien schwillt an und verengt den Querschnitt der betroffenen Bronchien, so dass weniger Luft ein- und ausströmen kann.
  • Die Schleimhaut der Bronchien sondert unnormal viel zähen Schleim ab, der den Querschnitt der betroffenen Bronchien ebenfalls verengt.
  • Die Muskulatur um die Bronchien verkrampft sich und presst die Bronchien zu engen Röhren zusammen.

Die Lunge füllt sich zunehmend mit alter, verbrauchter Luft. Sie bläht sich auf, und jeder neue Atemzug wird immer schwerer möglich. Die Aufblähung der Lunge behindert noch zusätzlich die Atmungstätigkeit. Um überhaupt Luft zu bekommen, setzt der Kranke im schweren Anfall die Atemhilfsmuskulatur ein: Er stützt sich in Sitzhaltung mit beiden Händen auf, und in der Hals- und Schultergegend ist die angestrengte Tätigkeit der Muskeln, die den Brustkorb dehnen, meist deutlich zu beobachten.

Die Disposition, Asthma zu bekommen, wird in vielen Fällen vererbt. Manchmal wird es auch durch schlechtbehandelte oder besonders schwere Infekte der Atemwege zum ersten Mal ausgelöst, und es tritt dann auch bei geringfügigeren Anlässen auf. Bei etwa Dreiviertel aller asthmakranken Schulkinder spielen Allergien eine wesentliche Rolle.

Neben Allergien gibt es weitere Ursachen, die Asthmaanfälle auslösen können. Aber ein asthmatisches Kind muss auf keinen Fall gleichzeitig an allen diesen Erscheinungsformen leiden:

  • Asthma wird durch Atemwegsinfekte immer verschlimmert. Bei einigen Kindern tritt Asthma aber fast nur im Anschluss an Atemwegsinfekte auf. Es wird Infektasthma genannt.
  • Bei manchen Kindern tritt vorzugsweise nächtliches Asthma auf, manchmal im Zusammenhang mit einer Hausstaubmilbenallergie, manchmal aber einfach deshalb, weil es im Schlaf auch beim gesunden Menschen schon zu einer Engerstellung der Bronchien kommt. Ein Kind mit nächtlichem Asthma kommt scheinbar gesund in die Schule oder in den Kindergarten – Schlafentzug und körperliche Belastung eines nächtlichen Anfalls gehen aber nicht spurlos an ihm vorüber.
  • Anstrengungsasthma liegt vor, wenn es erst im Verlauf von körperlichen Anstrengungen zu Atemnot mit einer Verkrampfung der Bronchien kommt, in Aypinter Weise jedoch oft erst 10 Minuten nach der Anstrengung. Etwa 80 % aller asthmakranken Kinder haben Anstrengungsasthma. Im Gegensatz zu anderen Asthmaanfällen können Anfälle, die durch Anstrengung ausgelöst werden, nach einiger Zeit von selbst abklingen. Wenn so ein Zustand, zum Beispiel im Sportunterricht, eintritt, muss das Kind unter Beobachtung bleiben.
  • Seelisch verursachtes Asthma gibt es kaum. Was bei der Neurodermitis gilt, stimmt auch beim Asthmakind: Die Grundlage für Asthma liegt in einer angeborenen oder erworbenen Allergieneigung. Beim Asthma kann eine angeborene und/oder erworbene grundsätzliche Überempfindlichkeit der Atemwege hinzutreten.

Der Zustand immer wiederkehrender Erstickungszustände kann nur auf dem Hintergrund eines stabilen sozialen Umfeldes mit Mut ertragen und sinnvoll behandelt werden. Problematische Erlebnisse, die ein gesundes Kind ohne weiteres bewältigt, können für Asthmakinder schon zur Belastung werden. Wie kein anderes Organ ist die Lunge auch Ausdrucksorgan für seelisches Erleben: Wer nicht genug Luft bekommt, kann weder richtig lachen noch richtig weinen. Er kann sich nicht immer an allen Aktivitäten, die altersgemäß sind, richtig beteiligen. Das führt manchmal zu auffällig anderem Verhalten – dieses Verhalten ist aber Folge und nicht Ursache der Erkrankung.

Verlauf eines allergischen Anfalls
Verlauf eines allergischen Anfalls

Pädagogische Konsequenzen

Der Umgang mit allergiekranken Kindern erfordert im Kindergarten und in der Schule ganz konkrete Maßnahmen. Einige ergeben sich einfach aus den medizinischen Tatsachen, die in Zusammenhang mit diesen Erkrankungen stehen. Andere Konsequenzen ergeben sich, weil alle chronischen Krankheiten bestimmte soziale Auswirkungen haben, auf die man reagieren muss.

Viele der besonderen Vorkehrungen, die im folgenden angesprochen werden, können von den Kindern und Jugendlichen nicht unbemerkt bleiben. Das ist klar, und es wäre auch nicht erwünscht, durch geheimnisvolle Hilfsmaßnahmen die Existenz einer chronischen Erkrankung unter den Teppich kehren zu wollen.

Es ist eine Tatsache, dass allergiekranke Kinder keine ganz unbeschwerte und fröhliche Kindheit haben. Viele von ihnen werden auch als Erwachsene mit ihrer Krankheit leben müssen.

Die Grundlage für einen sinnvollen Umgang mit ihrer Erkrankung sollte deshalb schon im Kindesalter gelegt werden. Viele Kinder benutzen vorbeugend tagsüber Dosieraerosole zum Entkrampfen der Bronchialmuskulatur. Geben Sie ihnen dazu bei Bedarf jederzeit die Möglichkeit, nicht nur in der Pause.

Spezielle Maßnahmen für Kinder mit allergischen Erkrankungen

Wenn bekannt ist, dass ein Kind auf bestimmte Stoffe allergisch reagiert, muss auch in der Schule oder im Kindergarten dafür gesorgt werden, dass es damit nicht in Berührung kommen kann. Ein Nichtbeachten dieser grundlegenden Forderung kann beim Asthmakind tödliche Folgen haben, bei Heuschnupfen- und Neurodermitiskindern kann es erhebliches Leiden auslösen.

Die Meidung von allergieauslösenden Stoffen ist eine aufwendige Maßnahme. Wenn diese Stoffe durch einen Arzt als Krankheitsauslöser bestätigt worden sind, wissen die Eltern des Kindes in aller Regel darüber sehr genau Bescheid, so dass Sie als Pädagogin bzw. Pädagoge deren Auskünften vertrauen sollten und sich darauf verlassen können.

Es braucht sicher einige Phantasie und Kreativität auf seiten Ihrer Institution (Schule oder Kindergarten), um allergieauslösende Stoffe vermeiden zu können.

  • Reizende Stoffe sind in erster Linie ausgasende Stoffe, zum Beispiel Acetan, Alkohol, Chlorkohlenwasserstoffe, Formaldehyd, Isopanathe, Phenol, Polyurethan, Sokyol, Xylol, Toluol usw.
  • Ausgasende Stoffe kommen vor allem vor in Baumaterialien, Farben, Lacken, Holzschutzmitteln, Reinigungsmitteln, Einrichtungsgegenständen, Insektenvernichtungsmitteln.

Grundsätzlich sollte man auch einer möglichen Gesundheitsgefährdung durch reizende Stoffe aus dem Weg gehen.

Reizende Stoffe können Organe schwächen, zum Beispiel die Oberfläche der Schleimhäute der Atemwege oder die Haut angreifen und so die Wahrscheinlichkeit für (weitere) allergische Reaktionen erhöhen, also Wegbereiter für Allergien sein.

Im folgenden sind zumindest die wichtigsten Bereiche beschrieben, über die nachgedacht werden muss, wenn in der jeweiligen Kindergruppe ein allergiekrankes Kind ist.

Allergieauslöser

Je nach Art des Eindringens der Allergene in den Körper unterscheiden wir :

  • Kontaktallergie
  • Inhalationsallergie

Einatmungsallergene sind vor allem Pollen (siehe dazu auch Pollenflugvorhersage), Hausstaub und Hausstaubmilbe sowie Schimmelpilze. Man nennt sie auch Inhalationsallergene. Ein Kind, das allergisch auf Pollen reagiert, kann nur durch Medikamenteneinnahme während der Zeit des Pollenflugs sinnvoll vor den Symptomen seiner Krankheit geschützt werden. Selbst das gelingt nicht immer vollkommen. Deshalb muss darüber hinaus so weit wie möglich Pollenkontakt vermieden werden: Klassenausflüge und Fahrten sollten besser im September statt im Frühjahr stattfinden. Dort, wo es vom Einzugsbereich her sinnvoll ist, könnte verstärkt über Klassenfahrten im Winter (Ski, Rodeln, Wandern) nachgedacht werden. Auch bei Unterrichtsgängen und Exkursionen gilt: Wenn aus Gründen der Unterrichtsplanung ein Gang ins Freie während der Pollensaison nicht zu vermeiden ist, muss die besondere Situation des erkrankten Kindes berücksichtigt werden. Wenn solche Unterrichtsgänge am Tag vorher angekündigt werden, hat es die Gelegenheit, sich medikamentös auf den Ausflug einzurichten und eventuell Medikamente mitzunehmen, die es sonst nicht bei sich hat.

Nur im Ausnahmefall sollte das Kind nicht teilnehmen; es kommt sonst zu sehr in eine Außenseiterposition.

Hausstaub, Hausstaubmilbe und Schimmelpilze finden sich in Schulen oft in wenig benutzten Fachräumen und in der Sporthalle. Feuchtigkeitsstellen an den Wänden des Klassenraums müssen im Interesse Ihrer und der Gesundheit der Kinder vom Träger der Einrichtung unverzüglich saniert werden. Bitte haben Sie Verständnis für entsprechende Forderungen der Eltern.

Vorsicht beim Einsatz von Spielkisten, Bücherkisten, Kleiderkisten, die längere Zeit in Schränken oder Abstellräumen lagerten!! Bei Kontakt mit Staub und Schimmel, die sich hier gesammelt haben, können allergiekranke Kinder sehr sehr heftig reagieren.

In Turnhallen sind es oft einzelne Bereiche, die besonders allergenhaltig sind: Abstellkammern, Dusch- oder Umkleideräume. Es spricht nichts dagegen, dass sich ein allergiekrankes Kind im – meist sauberen – Lehrerumkleideraum umzieht und beim Aufräumen mit Aufgaben beschäftigt wird, die es nicht in die Abstellkammer führen.

Bei der Wahl von Zielen für eine Klassenfahrt kommen bei allergiekranken Kindern nicht alle Unterkünfte in Frage. Besonders sogenannte „Selbstversorgerhäuser“ sind oft zu staubig und voll Hausstaubmilben.

Nahrungsmittelallergene spielen bei Asthma und Neurodermitis oft eine Rolle. Wenn klar erkannt worden ist, dass bestimmte Nahrungsmittel oder Nahrungsmittelbestandteile eine allergische Krankheit bei einem Kind auslösen, müssen sie vermieden werden. Das gilt für gemeinsame Mahlzeiten in der Schule (Frühstück, Geburtstagsfeiern und Hauswirtschaftsunterricht).

Wenn Ihnen eine Bescheinigung des Arztes über eine Nahrungsmittelallergie vorliegt, sollten Sie sich um Einhaltung der Nahrungskarenz auch dann konsequent bemühen, wenn Sie den Eindruck haben, dass das Kind sich selbst mit verbotenen Nahrungsmitteln versorgt. Sie sollten darauf allerdings unbedingt das Kind und die Eltern ansprechen.

Kontaktallergene spielen vor allem bei Ekzem/Neurodermitis eine herausragende Rolle. Neben den direkt auslösenden Stoffen muß auch der Kontakt mit Reizstoffen vermieden werden. Dazu zählen Kosmetika, Haushaltssprays, Desinfektionsmittel, Reinigungsmittel, Staub und Schmutz, Terpentin, manche Klebstoffe und ähnliche Dinge. Vor allem in den Bereichen Basteln, Werken und Kunst sowie Hauswirtschaft wird das zu besonderen Überlegungen führen müssen.

Luftschadstoffe können auch das Befinden beeinträchtigen. Sei es im Winter bei Außenaufenthalten der „Smog“ oder sei es in den heißen Sommermonaten die „Ozon-Belastung“.

Wir bitten Sie im Interesse der Gesundheit der Kinder, bei solchen Belastungen den Aufenthalt im Freien möglichst zu vermeiden bzw. im Sommer körperliche Anstrengungen von den Kindern nicht zu fordern, z.B. beim Sport, Wandern etc.

Kind

Aufnahmewege von Allergenen und Symptomen

Aufnahme durch:

  • Einatmen
  • Verschlucken
  • Hautkontakt
  • Eindringen

Symptome, z.B.:

  • Heuschnupfen
  • Asthma
  • Schock
  • Nesselfieber
  • Magen-Darm-Schleimhautentzündungen
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Ekzem
  • Ödem

Sportunterricht

Teilnahme am Sportunterricht ist für allergiekranke Kinder wegen der körperlichen und seelischen Entwicklung eigentlich sehr wichtig. Eine generelle Befreiung vom Sportunterricht durch einen Arzt ist für die meisten allergiekranken Kinder nicht sinnvoll. Sie wird oft nur aus Unwissen oder Bequemlichkeit vom Arzt ausgestellt oder von der Schule gewünscht, weil die Mühe gescheut wird, eine genauere individuelle Absprache zu treffen und eventuell nach einiger Beobachtungszeit zu korrigieren.

Es ist beim Sportunterricht für allergiekranke Kinder zu beachten, dass die körperliche Belastungsgrenze – vor allem bei asthmakranken Kindern – durch ärztliche Untersuchungen ermittelt wurde und dem Sportlehrer oder der Sportlehrerin als Handlungsvorgabe bekanntgegeben wird. Wenn Anstrengungsasthma vorliegt, ist es im allgemeinen möglich, durch eine angepasste verlängerte Aufwärmphase oder durch vorherige Einnahme eines Medikaments die Beschwerden zu vermeiden. Vor allem Turnmatten sind oft staubig und allergenbehaftet.

Während der Zeit des Pollenflugs oder bei anderen erhöhten Schadstoffbelastungen der Außenluft ist es sinnvoll, den Sportunterricht trotz schönen Wetters in der Halle durchführen zu lassen. Von den meist im Sommer stattfindenden Bundesjugendspielen sollten pollenallergische Kinder befreit werden können, wenn trotz medikamentöser Vorbereitung eine sinnvolle und erfolgversprechende Teilnahme nicht möglich ist.

In der akuten Phase einer Neurodermitis können alle Bewegungen für ein Kind schmerzhaft sein. Wenn ein Handekzem vorliegt, ist oft ein kräftiges Zufassen beim Geräteturnen unmöglich. Weil Schweiß eine zusätzliche Schädigung bei Ekzemen bewirken kann, müssen neurodermitiskranke Kinder unbedingt Gelegenheit haben und dazu angehalten werden, nach dem Sportunterricht gründlich (mit für sie hautverträglicher Seife) zu duschen. Schwimmen wird von asthmakranken Kindern meist gut vertragen. Manche haben allerdings Probleme mit dem intensiven Chlorgeruch in manchen Hallenbädern. Kinder mit Ekzem vertragen oft das gechlorte Wasser nicht. Sie müssen vom Schwimmunterricht befreit werden.

Im Literaturverzeichnis finden Sie weitere Hinweise auf Fachliteratur zu dieser Problematik.

Koordination, Notfallmaßnahmen

Wenn sich ein allergiekrankes Kind in Ihrer Gruppe/Klasse befindet, ist dies mit einer besonderen Verantwortung verbunden. In besonderen Situationen ist die Koordination geeigneter Maßnahmen erforderlich. Es wäre nicht sinnvoll und auch nicht zumutbar, wenn die Eltern des Kindes jede beteiligte Person einzeln informieren müssten. Als verantwortliche Person bietet sich die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer an, vielleicht aber auch die Sportlehrerin oder der Sportlehrer.

Behandlungsbedürftige Notfälle treten vorwiegend bei Kindern auf, wenn sie Bronchialasthma haben, sind aber nicht so häufig. Bei asthmatischen Kindern sollte die Schule bzw. der Kindergarten grundsätzlich über eine verläßliche Kontaktnummer zum Elternhaus verfügen. Es ist nicht Aufgabe der Schule oder des Kindergartens, Kinder im Asthmaanfall über längere Zeit zu betreuen. Wenn ein asthmatisches Kind deutlich spürbar über einen längeren Zeitraum Atembeschwerden hat, können folgende Regeln gelten:

  • Die Eltern werden informiert, mit der Bitte, das Kind aus der Schule oder dem Kindergarten abzuholen.
  • Das Kind sollte in einen ruhigen Raum (Elternsprechzimmer, Arztraum u.ä.) gebracht werden. Dort kann es eine atemerleichternde Lage einnehmen. Es muss hier betreut werden! Da ja meist auch die anderen Kinder der Klasse bzw. der Gruppe Anspruch auf Betreuung haben, könnte nach Absprache der Hausmeister oder die Sekretärin bei der Klasse bleiben, solange bis der Arzt oder die informierten Eltern eintreffen.
  • Für den Asthmaanfall gelten die gleichen Regeln, die an der jeweiligen Einrichtung grundsätzlich für verunglückte oder plötzlich erkrankte Kinder gelten.
  • Es kann eine schnelle Hilfe gewährleisten und alle Beteiligten beruhigen, wenn im voraus mit den Eltern abgesprochen worden ist, zu welchem Arzt ihr Kind im Notfall gebracht werden soll.
  • Bei plötzlich auftretender, akuter Atemnot ist sofort ein Krankenwagen zu rufen und eine ärztliche Notfallbehandlung einzuleiten.

Atemerleichternde Positionen

Atemposition 1
Im Sitzen kann der Kopf auf die Arme gelegt werden
Atemposition 2
Päckchensitz
Atemposition 3
Hängebauchlage
Atemposition 4
Die Bauchlage über einer Rolle

Konsequenzen für Unterricht und Gruppenleitung

Allergiekranke Kinder stellen zuallererst für alle, die pädagogisch mit ihnen umgehen, die Anforderung, sie mit ihrer chronischen Erkrankung zu akzeptieren. Wer die Forderungen, die beim Umgang mit dem allergischen Kind gestellt werden, nur als lästigen zusätzlichen Aufwand betrachtet, drängt – bewusst oder unbewusst – das Kind von vornherein in eine Außenseiterrolle.

Es ist ganz klar, dass es oft schwierig ist, ein allergiekrankes Kind in eine Gruppe so zu integrieren, wie es bei einem gesunden Kind möglich ist. Bei den anderen Kindern muss Verständnis für Sondermaßnahmen erzeugt werden. Diese Maßnahmen haben ohne Zweifel auch Auswirkungen auf die Gruppe, so zum Beispiel, wenn im Sommer Sportunterricht in der Halle stattfinden oder wenn eine Klassenfahrt deshalb teurer wird, weil ein preiswertes Ziel für ein allergiekrankes Kind nicht zumutbar ist.

Verständnis muss aber auch dafür aufgebracht werden, dass ein allergiekrankes Kind von manchen Dingen befreit werden muss. Bei allergiekranken Kindern sind Leistungsschwankungen im Zusammenhang mit der jeweiligen Schwere ihrer Erkrankung erheblich größer als bei anderen Kindern. Krankheitsbedingt kommt es immer wieder zu Fehlzeiten. In der Schule sind sie teilweise nicht voll belastbar. Vor allem Pollenallergiker sind gerade dann besonders in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt, wenn es in den meisten Schulen „um die Wurst“ geht. Im Rahmen des Machbaren sollten deshalb allergiekranke Kinder immer die Möglichkeit haben, bestimmte von der Schule geforderte Leistungen vor- oder nacharbeiten zu können: Das kann über umfangreichere Hausaufgaben geschehen oder dadurch, dass Klassenarbeiten nachgeschrieben werden. Teilweise sind andere Formen von Leistungsnachweisen denkbar: So könnten besonders gute schriftliche schulische Leistungen in beschwerdefreier Zeit höher bewertet werden als die schlechte Klassenarbeit im gesundheitlich labilen Zustand. Erfahrungsgemäß kommen allergiekranke Kinder mit den schulischen Leistungsanforderungen besonders dann nur wenig in Konflikt, wenn – wie schon in vielen Grundschulen üblich – nach Wochenplan und in Freiarbeit gearbeitet wird. Hier wird institutionell ein Rahmen vorgegeben, der Lernen nach der jeweiligen Leistungsfähigkeit ermöglicht.

Ein Fehler, den Eltern, Lehrer/innen und Erzieher/innen gleichermaßen oft begehen, besteht darin, das kranke Kind überzubehüten. Achten Sie deshalb darauf, dass es keinen „Krankheitsgewinn“ bekommt:

  • Es kann nicht verlangt werden, dass ein Kind nach einem nächtlichen Asthmaanfall eine Arbeit schreibt. Es kann aber verlangt werden, dass die Arbeit nachgeschrieben wird.
  • Es kann nicht verlangt werden, dass ein Kind an Spielen in einer staubigen und feuchten Turnhalle teilnimmt. Es kann aber verlangt werden, dass das Kind an Gruppenaktivitäten teilnimmt.
  • Es kann nicht verlangt werden, dass ein allergiekrankes Kind sportliche Höchstleistungen bringt. Es kann aber verlangt werden, dass es im Rahmen seiner Möglichkeiten körperlich trainiert.

Eine besondere Situation entsteht für ein allergiekrankes Kind, wenn ein Kuraufenthalt geplant ist. Klimakuren sind heute aus einer erfolgreichen Allergietherapie nicht mehr wegzudenken. Allergenarmes Klima, Ruhe, Erholung und Anregung durch Sport und eine neue Umgebung geben dem betroffenen Kind wieder Kraft und Ausgeglichenheit, die es für die Bewältigung der Allergie braucht.

Auch ein längerer Klinikaufenthalt ist nicht immer zu vermeiden. So kann es häufiger vorkommen, dass allergiekranke Kinder sechs Wochen oder länger ihre gewohnte Umgebung, also auch den Kindergarten oder die Schule verlassen. Für sie ist wichtig, zu Hause den „Anschluss nicht zu verpassen“. Heute gibt es in vielen medizinischen Einrichtungen Kindergärten und Schulunterricht. Setzen Sie sich mit den Eltern und gegebenenfalls mit den Pädagogen der Einrichtung in Verbindung, um den individuellen „Kurfahrplan“ zu erarbeiten. Das allergiekranke Kind braucht keinen übertriebenen Schutz und kein Mitleid – es braucht ein angemessenes Eingehen auf seine Problemlage.

Die Erfahrungen von Eltern und Pädagogen zeigen, daß allergiekranke Kinder in ihrem Schulabschluss oft hinter den eigenen Möglichkeiten bleiben. Gute Schulabschlüsse haben aber gerade für allergiekranke Kinder eine sehr hohe Bedeutung: Weil durch die Erkrankung viele Berufsbereiche verschlossen bleiben, sind allergische Kinder oft darauf angewiesen, Berufe zu ergreifen, in denen sie überwiegend ihre Kenntnisse nutzen. Berücksichtigen Sie das als Lehrer/in – und Sie können entscheidend dazu beitragen, den Lebensweg eines allergiekranken Kindes von der schulischen Seite her positiv zu beeinflussen.

In Klassenkonferenzen, Versetzungskonferenzen und ähnlichen Besprechungen ist daher immer wieder zu überlegen, wie einem allergiekranken Kind das Erreichen des höchstmöglichen Abschlusses ermöglicht (nicht: geschenkt!) werden kann. In den oberen Klassen sollte die Allergie bei der Berufswahl immer mit berücksichtigt werden. Oft kann hier der Berufsberater, der sich auf die Beratung chronisch kranker Jugendlicher spezialisiert hat, der bessere Ansprechpartner sein als der allgemeine Berufsberater. Für Schüler hat die AAK einen „Info-Tipp“ herausgegeben, der auch in einer größeren Stückzahl bestellt werden kann.

Elternarbeit

Eltern allergiekranker Kinder sind oft jahrelang von Arzt zu Arzt gegangen, um angemessene Hilfe für ihr Kind zu bekommen. Gerade weil das Verständnis für allergische Krankheiten oft in der Öffentlichkeit nicht ausgeprägt ist, sind diese Eltern es leid, immer und immer wieder ausführlich begründen zu müssen, worin die Krankheit ihres Kindes besteht und weshalb Sondermaßnahmen erforderlich und manchmal langfristig lebensnotwendig sind.

Setzen Sie diese Eltern nicht unter Rechtfertigungszwang! Sie können bei allen, die von sich aus die allergische Erkrankung des Kindes ansprechen, davon ausgehen, dass es sich um Eltern handelt, die sich schon intensiv mit der Erkrankung des Kindes auseinandergesetzt haben und in gewisser Weise Experten dafür geworden sind.

Besonders wenn die Eltern Mitglied einer Selbsthilfegruppe – wie zum Beispiel der Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind – (AAK) e.V. – sind, dürfen Sie als Pädagogin oder Pädagoge sicher sein, dass diese Eltern gut informiert sind und keine unangemessenen Forderungen stellen, wenn sie erwarten, dass die Schule oder der Kindergarten Rücksicht auf die allergische Erkrankung nimmt.

Das Gespräch mit Eltern allergiekranker Kinder sollte in regelmäßigen Abständen fortgesetzt werden. Dafür eignet sich normalerweise nicht der normale Elternsprechtag. Es sollten gesonderte Termine vereinbart werden, bei denen Zeit für ausführliche Gespräche ohne Zeitdruck besteht. Sprechen Sie die Eltern ruhig darauf an, wenn Sie den Eindruck haben, dass es im Verhalten des Kindes, was seine Erkrankung betrifft, Ungereimtheiten gibt, besonders, wenn Sie den Eindruck haben, dass das Kind im Freizeitbereich das Vermeiden von Allergenen umgeht oder dass es seine Krankheit benutzt, um sich ungerechtfertigt vor Anforderungen zu drücken.

Bei allen Gesprächen ist der Hinweis wichtig, dass das Kind einen möglichst qualifizierten Schulabschluss erreichten sollte. So verbessern sich auch die späteren Berufschancen.

Weitere Informationen

Weitere Informationen und Hinweise auf lesenswerte Literatur zum Problemkreis „Allergiekrankes Kind““” erhalten Sie bei der Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind – Hilfen für Kinder mit Asthma, Ekzem oder Heuschnupfen – (AAK) e.V., Augustastraße 2, 35745 Herborn, Tel. 02772 9287-0 sowie beim Leiter des AAK-Projekts „Allergie und Jugend/Beruf““”, Reinhard Voges, Dorfplatz 7, 38304 Wolfenbüttel, Tel. 05331 5211 (von 18.00 – 20.00 Uhr).

Folgende AAK-Broschüren zum Thema sind in der AAK-Bundesgeschäftsstelle erhältlich:

  • Allergie und Berufsausbildung (Nr. 401)
  • Projekttip zu Allergie und Berufsausbildung (Nr. 403)
  • Sport und Asthma (Nr. 13)
  • Jugendbroschüre (Nr. 404)
  • Infotip für Schüler (Nr. 402)
  • Baubiologie  Schadstoffe und Allergene in Wohnung und Haus (Nr. 201)
  • Weiterbildungsbaustein „Berufsausbildung und Allergie“ (338 Seiten, DIN A4, ISBN-Nr. 3-7639-0530-8)

Anhang/Zusammenfassung

Bei Asthmaanfällen

  • Bewahren Sie Ruhe – sie überträgt sich auf das Kind.
  • Verschaffen Sie dem Kind nötige Ruhe in einem entsprechenden Raum, keine körperliche Anstrengung, keine Atemgymnastik.
  • Halten Sie das Kind zum ruhigen Atmen in vertrauter atemerleichternder Körperhaltung an.
  • Es soll mit der „Lippenbremse“ ausgeatmet werden: Wangen etwas aufblasen – Luft strömt durch die aufeinanderliegenden Lippen.
  • Während der ganzen Zeit atemerleichternde Position beibehalten.
  • Hat behandelnder Arzt ein Dosieraerosol für den akuten Anfall verordnet, mit der Anwendung nicht zu lange warten.
  • Helfen alle Maßnahmen nicht, alarmieren Sie den Not-/(Haus-)Arzt.
  • Informieren Sie die Eltern des Kindes.

Ausflüge/ Exkursionen

sind besondere Erlebnisse für die Kinder. Mögliche Probleme können vorher zwischen Eltern und Pädagogen geklärt werden. Probleme, die auftreten können bei:

  • Zoobesuchen (Tierhaare)
  • Spielen im Freien, Spaziergängen (Pollen, Schimmelpilze)
  • Museums- oder Schlossbesuchen (Staub, Milben, Schimmelpilze)
  • Essen und Trinken (Nahrungsmittelallergie)
  • Besichtigung von Industriebetrieben, Werkanlagen (Schwebstoffe, Dämpfe usw.)

Klassenfahrten

Zwischen Eltern und Pädagogen zuvor zu klären:

  • Ausreichend Medikamente und das Inhaliergerät – Nothilfepass nicht vergessen!
  • Adresse des nächsten Arztes am Ort, einer Notfallstation oder des nächsten Krankenhauses.
  • Eine nach Möglichkeit allergenarme Unterbringung:
    • bei Stauballergie: saubere, staubarme, gepflegte Zimmer, wenn möglich keine „Selbstversorger“;
    • bei Tierhaarallergie: Welche Tiere gibt es in der unmittelbaren Nähe der Einrichtung und darin? Möglichst eine Unterbringung auswählen, in der das Mitbringen von Tieren nicht erlaubt ist;
    • bei Nahrungsmittelallergie: Kann man in der Einrichtung eine individuelle Diät zusammenstellen?
  • Empfohlen werden Reisen an die See und ins Gebirge (nicht über 2.000 Meter), denn dort ist die Luft sauber und allergenarm.
  • Verändertes Befinden oder Verhalten des Kindes kann auf verschiedenste Ursachen, die auch in der neuen Umgebung zu suchen sind, zurückgeführt werden. Verständnis für die besondere Situation ist wichtig.
  • Vor Reise, wenn möglich, auf den Pollenflugkalender achten!

Klimakuren

  • An vielen Kliniken und Kureinrichtungen wird Unterricht erteilt. Sie können dort nachfragen.
  • Eine kurze schriftliche Beurteilung der augenblicklichen schulischen Situation des Kindes, seiner Versetzungsaussichten und der besonders leistungsschwachen Hauptfächer ist Orientierungshilfe für den Pädagogen während der Kur.
  • Der Überblick über den Lehrplan der Hauptfächer in den kommenden sechs bis acht Wochen hilft dem Kind, den „Anschluss nicht zu verpassen“.
  • Ihr Name, Ihre Adresse und Telefonnummer sind wichtig, damit sich der Pädagoge gegebenenfalls mit Ihnen in Verbindung setzen kann.

Sonderunterricht

  • Besprechen Sie, wenn nötig, auch mit den Eltern die Möglichkeit, Hausunterricht (Sonderunterricht) für das Kind zu beantragen.
  • In jedem Bundesland gelten spezifische Bedingungen für den Sonderunterricht, über die Eltern wenn nötig, infomiert werden sollten.

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