Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind
Hilfen für Kinder mit Asthma, Ekzem oder Heuschnupfen – (AAK) e.V.

Richtiges Verhalten im Hochgebirge in Urlaub und Rehabilitation

Rehabilitation und Urlaubsgestaltung

Das Hochgebirgsklima wirkt in Urlaub und Rehabilitation auf den Organismus grundsätzlich gleich. Doch wird bei der Rehabilitation der Einfluss der Klimafaktoren ärztlich verschrieben und überwacht. Dadurch erfahren Haut- und Asthmakranke im Hochgebirge oft rasche Besserung. Auch der gesunde Urlauber sollte einige medizinische Gesichtspunkte berücksichtigen.

 

 

Besonderheiten des Hochgebirgsklimas

Überall auf der Erde nimmt der Luftdruck und auch der Sauerstoffanteil der Luft pro tausend Höhenmeter um etwa 12 Prozent ab, der Feuchtigkeitsgehalt der Luft sogar um 25 Prozent. Die Intensität der Sonnenstrahlung – insbesondere des ultravioletten Lichtanteiles - nimmt um 10 bis 20 Prozent pro tausend Höhenmeter zu, trotzdem wird die Luft um durchschnittlich 5 Grad Celsius pro tausend Meter kühler. Diese Klimaveränderungen mit der Höhe verlangen vom Organismus Anpassungsvorgänge, die bis zweitausend Meter etwa erholsam und heilsam sind.

 


Sonnenbäder

In Flachland und Mittelgebirge filtert eine meist vorhandene Dunst- und Staubteilchenschicht die Sonnenstrahlung niedriger Wellenlängen aus dem Spektrum des sichtbaren Lichts heraus. Gerade diese Wellenlängen von 290 bis 330 Nanometer sind aber biologisch besonders wertvoll, führen allerdings auch eher zu einem Sonnenbrand.

Langsame Gewöhnung und ein wirksamer Sonnenschutz sollten deshalb bedacht werden. In örtlichen Klimazonen der Alpen – wie etwa in Davos – kann nach ärztlicher Verordnung auch im Winter auf den Klinikterrassen sonnengebadet werden. Die kühle Hochgebirgsluft wird lange nicht als kalt empfunden, weil sie sehr trocken ist. Bei Wintersonnenbädern wird das vom Schnee reflektierte Licht als zusätzliches Therapeutikum genutzt.

 


Luftbäder

Wohl nirgends ist die Luft so rein wie im Hochgebirge. Industrie fehlt zumeist ganz, und der Autoverkehr ist vergleichsweise gering. Zusätzlich wird die Luft – besonders im Winter – durch Aufwinde ständig gereinigt.

Wohltuend sind deshalb kurze Luftbäder auch an nicht so sonnigen Tagen. Die Haut wird dadurch besser durchblutet und von innen heraus durchfeuchtet.

 


Bergwanderungen und Spaziergänge

Was den Menschen früher natürlich war, muss manchen Großstädtern heute vom Arzt verordnet werden: Bewegung. Wegen des geringeren Sauerstoffgehaltes der Luft fördert Bewegung im Hochgebirge die Bildung roter Blutkörperchen und führt zu einer besseren Belüftung der Lungen.

Beides fördert die Sauerstoffversorgung aller Organe, auch der Haut. Jeder sogenannte Höhenkurort verfügt über viele Kilometer bezeichneter Spazier- und Wanderwege. Aufstiege sind ein gutes Training für Kreislauf und Herz, Abstiege stärken die Beinmuskulatur.

 


Skifahren

Das alpine Skifahren ist zum Massensport geworden, und seine Verletzungsrisiken überwiegen in Einzelfällen den gesundheitlichen Nutzen. Doch ist diese Domäne der Hoch- und Mittelgebirge für viele Menschen die einzige Gelegenheit einer intensiven Auseinandersetzung mit der Natur: mit Schnee, Wind, Sonne, Kälte und auch Schlechtwetterlagen.

Der Trainingseffekt auf den Organismus ist bei durchschnittlichen alpinen Skifahrern nicht so ausgeprägt wie beim Langlaufskifahren. Indem der Vorschub des Körpers vom Sportler selbst erbracht werden muss, ist Langlaufskifahren allerdings anstrengender.

 


Einige Verhaltensregeln

Zur Anpassung an das Hochgebirgsklima sollte man dem Organismus Zeit lassen. Urlauber sollten in den ersten drei Tagen keine große Wanderung machen. Die Berge laufen nicht davon! Also: Erst einmal viel liegen auf Balkonen und Terrassen, sich entspannen und gemütliche Spaziergänge machen, die mehr der Naturbeobachtung als der Ertüchtigung dienen.

So kann sich der Körper auf die doch beachtliche Klimaveränderung umstellen. Bis sich die Haut an die Besonderheiten des Hochgebirgslichtes gewöhnt hat, sollte sie der direkten Sonne nur kurz und weiterhin durch Sonnencremes geschützt dargeboten werden.

 


Die Jahreszeiten

Sommer und Winter sind Haupturlaubszeiten. Deshalb sind diese Jahreszeiten im Hochgebirge vielen vertraut. Im Frühling empfiehlt sich ein Aufenthalt im Hochgebirge insbesondere für Menschen, die auf Laubbaum- und Gräserpollen empfindlich reagieren. Denn im Hochgebirge fliegen die Pollen ein bis zwei Monate später als im Flachland und den Mittelgebirgen und außerdem in wesentlich geringerer Konzentration.

Die Herbste im Hochgebirge wiederum sind mit besonders schönem Wetter gesegnet. Die meisten Hautkrankheiten können im Hochgebirge ganzjährig klimatherapeutisch behandelt werden. Bestimmte Krankheiten – wie Schuppenflechte oder Akne – werden jedoch bevorzugt in den strahlungsreichen Monaten von Sommer und Winter behandelt.

 


Das Alter

Das Hochgebirgsklima wird vom Säugling bis zum alten Menschen im allgemeinen gut vertragen. Einzig bei manchen inneren Erkrankungen sind mögliche Reaktionen des Organismus zwar nicht überzubewerten, aber doch zu beachten: So kann bei Diabetikern der Blutzuckerspiegel absinken. Das ist im Prinzip zwar gut, aber, werden die Medikamente in gleicher Dosierung wie im Flachland weiter eingenommen, kann es im Einzelfall zu einer Unterzuckerung kommen. An Diabetes erkrankte sollten also – insbesondere, wenn sie viel wandern – ihren Blutzucker gewissenhaft kontrollieren. Bei Hypertonikern führt der neurovegetative Reiz, den das Hochgebirgsklima darstellt, manchmal zu einem Blutdruckanstieg. Sie sollten die Entspannung des Hochgebirgsurlaubs deshalb keinesfalls zu einer "Tablettenpause" nutzen, sondern die vom Hausarzt verordneten Antihypertensiva besonders korrekt einnehmen.

Menschen, die an einer Sauerstoff-Unterversorgung bestimmter Körperabschnitte leiden – etwa des Herzens oder der der Beine – sollten vor einem Hochgebirgsaufenthalt mit ihrem Arzt kurz Rücksprache halten. Doch man beachte: Keine dieser Erkrankungen stellt an sich schon eine Gegenanzeige für einen Urlaub oder gar eine ärztlich überwachte Rehabilitation im Hochgebirge dar. Bis 2.000 Meter Höhe sind die Einflüsse des Hochgebirges bei weitem nützlicher als riskant. Man mag das auch daraus ersehen, dass in Mexiko-City eines der größten und weltbekannten Herzzentren liegt – etwa 2.300 Meter über dem Meer.

 


Allergien

Die Luft des Hochgebirges ist nicht nur frei von industriellen Schwebeteilchen, auch natürliche Partikel kommen kaum in ihr vor. Es finden sich so gut wie keine Schimmelpilzsporen und Hausstaubmilben-Allergene in der Luft.

Hauptursache dafür ist die hohe Lufttrockenheit, die beispielsweise in Davos in über 1.500 Metern Höhe 35 Prozent in den Innenräumen und 50 Prozent in der freien Natur selbst im Sommer nicht übersteigt. Für viele Allergie-Geplagte bedeutet das, dass sich ihre Symptome oft innerhalb weniger Tage ohne jede weitere Therapie im Hochgebirge "von selbst" bessern.

 


Neurodermitis

Die klimatherapeutischen Erfolge bei der Neurodermitis sind exzellent. Eine Statistik an 27.315 Patienten in Davos ergab völlige Abheilungen und deutliche Besserungen bei etwa 96 Prozent der Patienten.

Von daher muss es fast als Kunstfehler betrachtet werden, einem Patienten mit Neurodermitis nicht mindestens einmal die Klimafaktoren des Hochgebirges verordnet zu haben. Insbesondere bei Kindern sollte möglichst früh solch ein Behandlungsversuch unternommen werden.

 


Sonstige Hauterkrankungen

Eine Domäne der Hochgebirgstherapie ist ohne Zweifel die Behandlung der Neurodermitis und aller Formen der Schuppenflechte. In einigen Hautkliniken der Hochgebirge werden aber fast alle Hautkrankheiten mit Erfolg klimatherapeutisch behandelt.

Das sind beispielsweise das chronische – auch berufsbedingte – Kontaktekzem, die chronisch juckende Haut, leichte bis ausgesprochen schwere Verläufe der Akne, die chronische Nesselsucht, Hautkrankheiten mit Bläschenbildung oder auch eine seltene, jedoch bösartige Erkrankung: die Mycosis fungoides.

 


Asthma

Das Asthma bronchiale ist die einzige chronische Erkrankung, deren Häufigkeit weiterhin zunimmt. In den meisten Ländern kommt es heute doppelt so häufig vor wie vor zehn Jahren. Die wichtigsten Allergene beim allergischen Asthma sind neben den Gräser- und Baumpollen die Hausstaubmilben und Haustiere. Neben den spezifischen Auslösern des allergischen Asthma gibt es Umwelt- und Klimafaktoren, die ein Asthma bronchiale begünstigen.

Entscheidend für den Erfolg der Hochgebirgsklima-Therapie in über 1.500 Metern Höhe ist neben der Allergenarmut nach wie vor die fehlende Staub- und Schadstoffbelastung sowie das Fehlen von Milben in dieser Höhe. Durch diese Umweltsituation können in vielen Fällen Medikamente in niedrigerer Dosis verabreicht werden als in tieferen Regionen, so dass Nebenwirkungen eher vermieden werden.

 


Medikamente

Der überragende Wert des Hochgebirgsklimas ist daran abzulesen, dass bei über 75 Prozent der Patienten mit Neurodermitis, die zur Klinikaufnahme gelangten, die Einnahme von Cortison-Präparaten sofort beendet werden konnte, bei weiteren 20 Prozent innerhalb der folgenden zehn Wochen. Nicht ganz auf diese Medikamente verzichten können die Klimatherapeuten bei der äußerlichen Anwendung, doch gelang es auch hier, bei annähernd 50 Prozent der Patienten vom Cortison wegzukommen.

Ansonsten kommt in den meisten Hochgebirgskliniken die klassische hautärztliche Heilkunst zur Anwendung, unterstützt durch diverse ganzheitsmedizinische Verfahren. Wo immer es geht, werden medikamentöse und technische Heilmethoden durch Klimafaktoren ersetzt. Ein Vorteil: Bei der Behandlung beispielsweise der Psoriasis mit natürlicher Sonne reicht eine 30fach geringere Gesamtdosis an UV-B-Strahlen, als sie mit industriell hergestellten Ultraviolett-Strahlern benötigt wird, um die Krankheitsherde zur Abheilung zu bringen.

 


Krankheitsverlauf

Während eines Aufenthaltes im Hochgebirge findet eine vegetative Umstimmung des Organismus statt. Diese Anpassungsvorgänge lassen sich in eine Anfangsreaktion, in eine Reaktion in der 2. und 3. Woche und in eine Erholungsreaktion unterteilen. Bei der Anfangsreaktion, die einige Tage dauert, passen sich Kreislauf, Atmung, Psyche, vegetative Funktionen und einige Stoffwechselreaktionen an die ungewohnten Klimaverhältnisse an. Danach tritt eine gewisse Normalisierung aller Körpervorgänge ein, die bei haut- und asthmakranken Patienten mit einer Besserung ihrer Symptome verbunden ist. Wesentliche Abheilungen bei Patienten mit Hautleiden innerhalb der ersten zwei Wochen sind keine Seltenheit; bei Menschen mit allergischem Asthma führt die reine Luft ohnehin oft innerhalb weniger Tage dazu, dass die Atemnot völlig verschwindet.

Nach zwei bis drei Wochen aber kommt es als Ausdruck der Klimareaktion häufig zu einer mittelgradigen Verschlechterung des Befindens, verbunden manchmal mit psychischer Unausgeglichenheit. Patienten in der Rehabilitation erfahren in dieser Zeit zuweilen eine Verschlechterung ihres Krankheitsbildes, verglichen mit dem in den ersten Wochen bereits erreichten Erfolg. Doch dann erfolgt die Phase der Anpassung, die einen stabilen Erholungs- oder Heilungseffekt zur Folge hat.

 


Aufenthaltsdauer

Jeder Urlaub, der eine länger anhaltende Erholung und Regeneration bewirken soll, sollte die Dauer von vier Wochen nicht unterschreiten. Im Hochgebirge treten stabile Erholungseffekte nach 3 bis 4 Wochen ein, im Einzelfall auch einmal früher.

Die Dauer einer Rehabilitation - insbesondere hautkranker Patienten – sollte 4 bis 6 Wochen keinesfalls unterschreiten, da nach ärztlicher Erfahrung aus vielen Jahrzehnten nur dann ein anhaltender Heilungseffekt erwartet werden darf. Insofern sind Kurzurlaube von ein bis zwei Wochen, wie sie heute üblich geworden sind, mit einer gewissen Skepsis zu betrachten.

 


Wiederholungen

Wiederholte Urlaube oder Rehabilitationsaufenthalte im Hochgebirge führen zu einer zunehmenden Verbesserung der Anpassungsleistung des Organismus. In gewisser Hinsicht handelt es sich um eine Art "Abhärtung" des vegetativen Nervensystems und mancher Stoffwechselvorgänge.

Bei Patienten mit chronisch wiederkehrenden Haut- und Bronchialerkrankungen zeigt sich dieser Wiederholungseffekt daran, dass die Symptome, wenn es daheim zu den leider nicht immer ganz vermeidbaren Rückfällen kommt, weniger ausgeprägt in Erscheinung treten als vor den Hochgebirgsaufenthalten.

 


Ambulante oder stationäre Behandlung

Im Bereich der Rehabilitation gibt es Bestrebungen, Patienten mit chronisch wiederkehrenden Erkrankungen in Reha-Zentren wohnortnah zu behandeln.

Die Hochgebirgsklima-Therapie von Haut- und Bronchialleiden ist durch solche Neuerungen naturgemäß nicht ersetzbar.

 


Erholung braucht Zeit

Jeder Urlauber muss selbst entscheiden, welchen Nutzen und welche Risiken sein Urlaub mit sich bringt. Gefährlich können Urlaubsreisen werden, die mehr dem Erlebnishunger dienen als der Harmonisierung der seelischen, geistigen und körperlichen Kräfte eines Menschen. Flugreisen von 15 bis 20 Stunden Dauer mit drastischen Veränderungen des Tag-Nacht-Rhythmus, Klimaveränderungen von bis zu 40 Grad, und das alles in 14 Tagen, bedeuten – so schön und interessant die Reiseerlebnisse sein mögen – für den Körper einen überaus groben vegetativen Stress.

Es sollte zu denken geben, dass 10 Prozent der Urlauber, die ferne Regionen der Erde bereisen, während oder nach der Reise einen Arzt aufsuchen müssen, 8 Prozent nach ihrem Urlaub bettlägrig und etwa 3 Prozent arbeitsunfähig sind. Oft erkranken diese Urlauber zwar an Infektionen, doch ist dies nicht zuletzt Folge einer geschwächten Immunabwehr. Auch hier zeigen sich oft fatal die Folgen von Kurzzeit-Klimawechseln.

 


Vernünftige Urlaube dienen der Prävention

Urlaube dienen der Erholung von Körper, Seele und Geist. In diesem Sinne sollten sie – von jedem nach seinem Empfinden – geplant und verwirklicht werden.

So verstanden dienen Urlaube der Gesunderhaltung und der Lebensfreude des Menschen. Die Schönheit der Hochgebirgswelt ist dafür wie geschaffen.

 


Impressum

Dieser Beitrag wurde uns freundlicherweise von Dr. sc. med. Dietmar Schöne, Facharzt für Kinderheilkunde – Allergologie, Leitender Abteilungsarzt der Kinder-Abteilung der Klinik für Dermatologie und Allergie Davos – Alexanderhausklinik (Direktor: Univ. Prof. Dr. med. Dr. phil. S. Borelli) zur Verfügung gestellt.

 

 

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind - Hilfen für Kinder mit Asthma, Ekzem oder Heuschnupfen – (AAK) e.V.

Die AAK betrachtet es als ihre Pflicht, betroffene Eltern über erfolgversprechende Therapieansätze zu informieren. Für den Inhalt der Beiträge übernehmen die Autoren die Verantwortung.